Das RAPt! - Dezentrale Datenpflege im PIM

Redundante Datenbestände sowie Datenpflege sind teuer und mindern die Qualität der Produktinformationen. Eines der wesentlichen Ziele von PIM-Projekten ist daher die Zentralisierung von Informationen. Ein PIM-System konsolidiert sämtliche Produktdaten in einem zentralen Datenpool. Darüber hinaus stellt es diese Daten zur dezentralen Nutzung bereit und ermöglicht auch – falls erforderlich –, dass sie dezentral pflegbar sind.

Nativer Client
Nativer Client des infuniq PIM-Systems
Screenshot RAP
Screenshot RAP: Webclient des infuniq PIM-Systems

No problem – non c’è problema! Lösungen für Sprachvarianten

Die meisten Unternehmen sind heute in einem globalen Markt tätig. Sie müssen weltweit agieren und daher ihre Produktkataloge in vielen Sprachen aufbereiten. Mit modernen Translation-Memory-Systemen (TMS) lassen sich die Übersetzungsprozesse kostengünstig optimieren. Dennoch kommen die Unternehmen nicht umhin, die übersetzten Produktdaten und Kataloge von den lokalen Niederlassungen vor Ort prüfen zu lassen. Und um diese oft langwierigen Korrekturprozesse zu optimieren, muss das Personal in den jeweiligen Ländern auch direkt in der Lage sein, die Produktdaten zu pflegen. Entsprechend benötigen die weltweit tätigen Mitarbeiter einen Zugriff auf die Daten im PIM. Selbstverständlich müssen dabei vorhandene Berechtigungskonzepte und unternehmensspezifische Workflows berücksichtigt werden.

Ist nativ naiv? Oder webbasiert deplaziert? Ein Technologien-Vergleich

Die meisten PIM-Systeme stellen entsprechende Funktionen für den dezentralen Zugriff auf den zentralen Datenbestand zur Verfügung. Die Strategien, die von den Systemen dabei verfolgt werden, können aber durchaus sehr unterschiedlich sein. Manche Anbieter von PIM-Systemen setzen komplett auf webbasierte Technologien und bieten für die Bedienung des Gesamtsystems ausschließlich einen Web-Client. Allerdings hatten diese Systeme in der Vergangenheit insbesondere in Bezug auf die Benutzerfreundlichkeit einige Nachteile – vor allem im Vergleich zu nativen Applikationen, die direkt unter Windows oder anderen Betriebssystemen lauffähig sind und weitere Features, etwa ausgereifte Drag-&-Drop-Möglichkeiten, zur Verfügung stellen können. Dieser Schwachpunkt wird allerdings mit neuen Technologien im Web wie AJAX zukünftig sicherlich schwinden.
Einige Hersteller von PIM-Systemen gehen einen anderen Weg. Sie bieten hauptsächlich eine native Windows-Applikation an. Die Bedienbarkeit dieser Systeme weist daher auch die unter Windows mittlerweile gewohnten Elemente (Drag & Drop, Kontextmenüs etc.) auf. Um auch dezentral auf das PIM zugreifen zu können, steht dann meist ein separater Web-Client zur Verfügung. Dabei kann es durchaus vorkommen, dass der Web-Client nur Teilfunktionen des PIM-Systems bereitstellt. Oftmals ist auch die Visualität und das Bedienkonzept des Web-Clients eine ganz andere als die des Hauptsystems. Die fehlende Funktionalität sowie die unterschiedliche Bedienung müssen aber nicht unbedingt ein Nachteil sein: Oft sind es eben auch andere Benutzergruppen, die dezentral über den Web-Client arbeiten, und die benötigen nicht immer den vollen Funktionsumfang. Allerdings können fehlende Funktionen für manche Unternehmen als K.o.-Kriterium bei der Auswahl des PIM-Systems gelten.
Rein webbasierte PIM-Systeme haben heute leider noch nicht die optimale Bedienerfreundlichkeit wie native Applikationen. Das liegt vor allem daran, dass die parallele Entwicklung von nativer Applikation für verschiedene Betriebssysteme und Web-Client einfach zu kosten- und zeitintensiv ist. Daher sind neue Strategien gefragt, mit denen die volle PIM-Funktionalität gleichzeitig zentral und dezentral ins Web gebracht werden kann.

RAP my PIM: Rich AJAX Plattform

Eine sehr vielversprechende Strategie, die eben dieses Ziel verfolgt, bietet die Rich AJAX Plattform (RAP) der Eclipse Foundation. Die Technologie fußt auf der technisch sehr ausgereiften Eclipse-Rich-Client-Plattform für die Entwicklung von plattformunabhängigen Desktop-Applikationen. PIM-Systeme, die auf Basis der RCP-Technologie für den Desktop entwickelt wurden, können mittels RAP mit geringem Mehraufwand ins Web transportiert werden. Dabei müssen alle Funktionen des PIM-Systems nur einmal zentral entwickelt werden. Danach können sie über RCP einfach als native Applikation für den Desktop bereitgestellt und über RAP gleichzeitig ins Web geschickt werden. Die noch sehr junge Technologie kann seit Mitte 2007 produktiv genutzt werden.

Yo, Man! infuniq pure – Webclient auf Basis von RAP

So setzt das ebenfalls relativ junge PIM-System infuniq des Essener Herstellers infuniq Systems GmbH (www.infuniq.com) bereits auf diese Technologie. Bei der Entwicklung des Basissystems wurde konsequent die Eclipse RCP Technologie eingesetzt. Ein Ziel bei der Entwicklung war vor allem die Plattformunabhängigkeit: infuniq Systems bietet ein System, dass unter Windows ebenso gut genutzt werden kann wie unter Mac OS X.
Zusätzlich sollte die Entwicklungsplattform zukunftsfähig sein. Eine Entscheidung, die sich auszahlt. Denn mit der Entwicklung von RAP ist infuniq jetzt nicht nur als Desktop-Applikation unter Windows oder Mac OS X lauffähig, das System steht auch als Webapplikation zur Verfügung. Die Webapplikation bietet alle Funktionen der Desktop-Anwendung – und sieht auch noch genauso aus. Medienbrüche und der damit verbundene Arbeits- und Lernaufwand gehören folglich der Vergangenheit an.

Fazit

Schon jetzt ist auf dem ersten (Aus-)Blick kaum noch ein Unterschied zwischen nativer Anwendung und Web-Oberfläche zu erkennen. Die zukünftige Entwicklung von RAP darf einstweilen mit Spannung beobachtet werden. Die AJAX-Technologie wird insbesondere von IBM aktiv vorangetrieben. Die Bedienbarkeit von Web-Anwendungen auf Basis von RAP wird sich immer weiter den Desktop-Anwendungen angleichen. Die Vorteile kommen dabei den Benutzern wie auch den Herstellern gleichermaßen zu Gute – optimale Bedienerfreundlichkeit mit geringen Mehrkosten in der Entwicklung spart schlichtweg Zeit und Geld.
Axel Helbig

Autor

Axel Helbig

Communicode GmbH & Co. KG

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