Excuse me, do you speak JDF?

Für die grafische Industrie ist das Job Definition Format, ein Standard für den Austausch von Auftragsdaten für Medien- und Printproduktionen, längst kein Fachchinesisch mehr.

Akronyme
Akronyme
Vor knapp vier Jahren implementierten zahlreiche Maschinen- und Softwarehersteller den Sprachstandard JDF1.2 in ihren Produkten. Doch was bedeutet das konkret? Das Schlüsselwort lautet: Prozessintegration – von dem Druck- und Mediendienstleister zu Recht einen Marktvorteil erwarten dürfen.

Minimale und maximale Voraussetzungen

Um die Vorteile des JDF einmal bildlich darzustellen, vergleichen wir es mit der lateinischen Sprache. Natürlich hinkt dieser Vergleich, denn Latein ist tot und JDF quicklebendig. Doch bezogen auf Latein als einstmals allgemeingültige Verständigungsformel im Abendland, sind Druck-, Falz- und Schneidemaschinen schon gut bedient, wenn sie die Römer-Zitate in den „Asterix“-Comics verstehen. Für die Arbeit, die sie leisten müssen, benötigen sie letztendlich nur einen kleinen Teil des zur Verfügung stehenden Vokabulars. Softwaresysteme dagegen, wie sie zum Beispiel in der Prozesssteuerung zum Einsatz kommen, müssen schon das Große Latinum beherrschen, also flüssig „JDF sprechen“, um mithalten zu können.

Konnte man vor ein paar Jahren noch mit der bloßen Nennung des Begriffs „JDF“ die Entscheider begeistern, ein Produkt zu erwerben, so werden Kunden bald danach fragen, ob JDF auch in den jeweiligen Systemen der Druckhäuser integriert ist. Denn nur dort kann eine Kundenbitte bedient werden, die via JDF eine klare Beschreibung des angefragten Produktes überträgt. Das beginnt beim Seitenumfang, geht über die Farbigkeit und endet (noch lange nicht) beim gewünschten Papier. Vor allem industrielle Printbuyer werden sich bald das nötige JDF-Know-how aneignen müssen, um Angebote zu vergleichen. In letzter Konsequenz könnte das dazu führen, dass nur noch diejenigen Druckereien ein Angebot stellen dürfen, die glaubhaft darlegen können, dass sie wirklich JDF verstehen. Dass dieses Szenario keine Fiktion ist, hat die Branche bereits nach der PDF/X-Standardisierung beobachten können. Warum sollte es bei JDF anders sein? Eben.

 Wen sollte JDF interessieren?

Auch wenn das alles erst einmal sehr technisch klingt – das Thema „Prozessintegration“ sollte nicht alleine bei den Technikern angesiedelt sein, die diese Job-Definitionen für ihren Workflow anzapfen. JDF ist Chefsache. Geschäftsführer und Entscheider müssen alsbald entsprechende Konzepte für ihre Unternehmen erstellen, die schlüssig, zukunftsorientiert und vor allem prozesseffizient sind. Denn neue Maschinen in der „schweren Technik“ werden schon bald standardmäßig mit einer JDF-Schnittstelle daherkommen.

 JDF im Management Information System

In der grafischen Industrie haben zumeist die Management Information Systeme (MIS) die JDF-Schlüsselfunktion inne. Dabei vereinen MIS meist das Anfrage- und Auftragsmanagement (AMS), eine digitale Plantafel (PPS), Lager- und Materialbestände sowie natürlich das Reporting für die Geschäftsleitung in einem System. Die Sachbearbeiter, die für das Auftragsmanagement und die Terminsteuerung zuständig sind, lösen die JDF-Kettenreaktion aus. Das bedeutet, dass die Qualifikation und Verantwortung eines Sachbearbeiterteams deutlich größer sein muss, als zu Zeiten, in denen die nachgelagerten Instanzen, von Prepress bis Postpress, noch die volle Handlungsfreiheit hatten.
Konkret: In der Angebotsphase besitzt das Produkt eine bestimmte Farbigkeit. Diese weicht am Tag der Beauftragung von der ursprünglichen Färbung ab. Pflegt der Bearbeiter solch heiklen Angaben nicht akribisch in seinem MIS, kann es schnell passieren, dass ein Datenbestand falsch farbraumtransformiert, falsch geRIPt und falsch produziert wird. Das ist der berühmte Flügelschlag des Schmetterlings, der einen Tsunami auslöst. Ergo: Im Wesentlichen hängt es von den Mitarbeitern ab, ob ein JDF-basierter Workflow wirklich erfolgreich ist. Umfangreiche Schulungen sind hier eine gute Investition.

JDF und Prepress

In der Druckvorstufe sieht es zurzeit in puncto JDF noch nicht besonders rosig aus. Zwar kann Acrobat Professional JDF lesen, schreiben und entsprechend verarbeiten. Die Zuweisung von PDF-Dokumenten und/oder Seitenbereichen aus PDF-Dokumenten ist allerdings mit dem Acrobat-Editor „JDF-Agent1“ recht umständlich. Falsch zugewiesene Seiten haben in einem hoch automatisierten JDF-Workflow entsprechende Konsequenzen – wir erinnern uns an den Schmetterling.

Adobe hat mit der massiven Erweiterung des Acrobat-eigenen Preflights einen großen Schritt in die richtige Richtung getan. In JDF kann das zu verwendende Preflight-Profil bereits voreingestellt werden. An die nachgelagerten Prozessknoten wird nur dann ein JDF-Paket weitergeleitet, wenn das spezifizierte Prüfprofil auch fehlerfrei von den zugewiesenen PDF-Dokumenten durchlaufen wurde. Seit Acrobat 8 Professional ist es außerdem möglich, dass Preflight-Profile im Fehlerfall auch gleich reparieren. Wer sich für einen solchen Workflow entscheidet, muss allerdings genau wissen, was er tut. Geschlossene Prepress-Systeme sind bereits seit längerer Zeit „JDF-fähig“. In welcher Tiefe sie tatsächlich JDF verarbeiten, ist aufgrund ihrer Architektur jedoch nicht immer transparent.


Nutzen und Chancen

Auch wenn der Einsatz von JDF genau überlegt und geplant sein will (nochmals: der Schmetterling!) liegen die Vorteile doch auf der Hand

  • Wegfall redundanter Datenerfassung,
  • weniger Kommunikations- und Abstimmungsaufwand,
  • einheitliche, aktuelle Auftragsinformationen,
  • Prozesskostensenkung,
  • schnellere Durchlauf- und Rüstzeiten,
  • weniger Fehlerkosten,
  • hochwertige Controlling-Zahlen in Echtzeit

Eine Aussage zum Einsparpotenzial, die nach Einführung von JDF-gestützten Systemen zu erwarten ist, ist zwar nicht uneingeschränkt zu tätigen, doch ist eines sicher: Wer JDF proaktiv nutzt, wird mehr Aufträge in kürzerer Zeit produzieren können, als jemand, der es nicht tut. Im Digitaldruck geht dies auch zu großen Teilen vollautomatisch. Kleine Auflagen und komplexe Aufträge partizipieren am stärksten von JDF. Unternehmen, deren Auftragsstruktur diese Merkmale hat, werden von einer JDF-Prozess-Automation profitieren.

Bernd Kress

Autor

Bernd Kress

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