Open Your Type - Globale Schriften als Eintrittskarte zum globalen Publishing

Heute werden Kunden weltweit angesprochen. Die Kommunikation verlagert sich dabei auf verschiedene Kulturkreise. Die neuen Medien spielen dabei eine elementare Rolle. Aber sie funktionieren nicht ohne ein sehr altes Medium: die Schrift. Erweiterte Schriftsätze sind für das weltweite Publizieren der Zukunft von entscheidender Bedeutung. Sie werden in hohem Maße für das reibungslose Gelingen von Medienproduktionen beitragen.

Kompatibilitätsübersicht
1 Für einen reibungslosen Einsatz von Unicode und OpenType-Schriften sollten nur die neueren Betriebssysteme und Programme genutzt werden, da ältere Versionen oftmals nur eingeschränkte Funktionalität bieten oder entsprechende Zusatzsoftware installiert werden muss. 2 Unter Unix/Linux gibt es eine Vielzahl verschiedener Systeme, die sehr individuell betrachtet werden müssen. Die neueren Versionen können verschiedenste Schriftsätze verarbeiten. Allerdings ist meist eine zusätzliche Softwareinstallation zur Erkennung und Konvertierung notwendig. 3 PC-Format 4 MAC-Format
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Unicode statt Kuddelmuddel

Schriften bilden Zeichensätze ab. Dabei wird jedes Zeichen von einer Glyphe optisch repräsentiert (Abbild eines Zeichens). Die neue Herausforderung für Schriftsätze im globalen Publishing ist klar: Verschiedene Alphabete für Kyrillisch, Arabisch, Chinesisch und viele weitere Sprachen müssen reibungslos abgebildet werden können.

Eine Schrift, wie wir sie jeden Tag auf Computern benutzen, ist durch eine Zeichenkodierung hinterlegt. Eine der bekanntesten Kodierungen ist ASCII (American Standard Code for Informationen Interchange). Hier wird jedes Zeichen mit sieben Bit kodiert. In der Summe können so maximal 128 Zeichen, also 95 druckbare und 33 nicht-druckbare Zeichen, hinterlegt werden. Um aber einen erweiterten Zeichensatz verwenden zu können, sind höhere Kodierungen nötig. Dabei hat sich ein Format durchgesetzt: Unicode – der „Einheitsschlüssel“.

Der technische Aufbau von Unicode unterteilt sich in mehrere Ebenen, wobei in der Regel nur die erste Ebene – „Basic Multilingual Plane“ – benutzt wird. Deshalb spricht man hier von einer universellen Schriftzeichen-Menge, kurz UTF-16. Die übrigen Ebenen werden selten verwendet. Sie kodieren zum Beispiel historische Alphabete wie alt-ägyptische Hieroglyphen. Für die Abbildung solcher Schriftsätze wird dann eine Kodierung von 32 Bit (UTF-32) verwendet. Das am weitesten verbreitete Format für die Kodierung von Unicode-Zeichen ist UTF-8.

Unicode fasst zusammengehörige Zeichen in sogenannten Skripten zusammen. Somit ist jedem Skript ein Alphabet zugeordnet; insgesamt kennt Unicode über 50 Schriftsätze aus den verschiedensten Ländern. Natürlich sind auch Satzzeichen, Symbole und diakritische Symbole hinterlegt. Man spricht von diakritischen Zeichen, wenn Textzeichen einen Zusatz bekommen, der Betonung und Aussprache näher spezifiziert. Wir kennen das von den französischen Akzenten oder von den deutschen Umlauten. Die finden wir auf jeder Computertastatur. Doch was ist mit tschechischen Betonungszeichen? Mit norwegischen Vokalen? Die gängige ASCII-Kodierung stellt gerade mal die Zeichen für Mitteleuropa zur Verfügung. Wirft man einen Blick über die Grenzen hinweg nach Osten, dann erwarten uns neue Symbole für Osteuropa, Arabien und Asien.

Euro – Eu – €: Wie komme ich zum richtigen Symbol?

Erinnern Sie sich einmal kurz an die ersten Texte und Rechnungen, die nach der Euro-Einführung im Januar 2002 geschrieben wurden – haben Sie da irgendwo das Euro-Zeichen gesehen? Die Schriftsätze mussten erst neu angepasst werden, damit irgendwie das €-Zeichen im Text erscheinen konnte. In der Zwischenzeit gab es eigene Euroschriftsätze. Doch was tun, wenn Sie an Ihren chinesischen Lieferanten Yen-Preise übermitteln möchten? Die Notwendigkeit für zusätzliche Zeichen in einer Schrift wird deutlich.

OpenType – der neue Star am Schriftenhimmel

Wie muss eine Schrift beschaffen sein, damit sie in vollem Umfang mit allen Alphabeten über Unicode eingesetzt werden kann? Grundsätzlich muss die Schrift mit verschiedenen integrierten Alphabeten entwickelt worden sein, damit sie für Publikationen oder in integrierte Geräte, wie Mobiltelefone, Bordinformationssysteme oder anderen Steuerungsmodulen eingesetzt werden kann. Schriften, die diese Eigenschaften besitzen, nennt man „Globale Schriften“. Sie sind heute als OpenType-Schriften verfügbar, sowohl auf PC, wie auch auf MAC einsetzbar und unterstützen selbstverständlich Unicode. Dadurch entfallen die gängigen Probleme verschiedener Dateiformate, wie diese bei TrueType- oder PostScript-Schriften heute noch bestehen. Da die OpenType-Schriften die klassischen Schriftformate in Zukunft ablösen werden, wird die Nachfrage nach ihnen weiter steigen. Der Grund hierfür ist nicht nur der erweiterte Schriftsatz, sondern auch die breite Unterstützung der neuen Betriebssysteme von Microsoft und Apple.

„Spricht“ Ihre Datenbank Unicode?

Wenn ein Unternehmen darüber nachdenkt, weltweit in verschiedenen Medien zu publizieren, dann sollten die Daten in einem einheitlichen Format an die verschiedenen Ausgabekanäle übertragen werden. XML hat sich als Austauschformat etabliert. So können Informationen flexibel aufbereitet werden und sowohl in Druck, wie auch in Onlineanwendungen einfließen. Doch warum „spricht“ unser Server heute noch immer ASCII anstatt Unicode? Neben der Notwendigkeit den Server mit der neuesten Software zu bespielen, ist auch die Datenmenge ein entscheidendes Kriterium. Die Vorhaltung von mehr als 99.000 Schriftzeichen benötigt selbstverständlich auch ein Vielfaches an Speicherplatz.

Zusammenfassend könnte man Unicode als Tabelle mit allen erdenklichen Zeichen für verschiedene Alphabete definieren, denen jeweils eine eigene Nummer zugewiesen ist. Mit dieser eindeutigen Referenzierung lässt sich jedes Zeichen systemunabhängig, plattformunabhängig und sprachunabhängig darstellen. Das Schriftformat OpenType bietet, neben weiteren typografischen Vorteilen, volle Unicode-Unterstützung (Adressierung über Unicode-Tabelle) und ist somit für das globale Publishing die erste Wahl in Sachen Schriftformat.

Fazit

Es lohnt sich also schon jetzt, die Kosten für plattformunabhängige „Globale Fonts“ nicht zu scheuen und sich frühzeitig mit Lösungen zu beschäftigen, die nachhaltig die weltweite Kommunikationsfähigkeit eines Unternehmens sichern.
Jochen Baumann

Autor

Jochen Baumann

FirstSquare Baumann & Wiegand GbR

http://www.firstsquare.de

Co-Autoren

Daniel Wiegand