Adobe InDesign CS3: Der Produktivitäts-Test
InDesign-Experte Haeme Ulrich gibt eine Übersicht über die wichtigen Neuerungen für die Produktion. Ende März hat Adobe die Creative Suite 3 vorgestellt. Mit in diesem Paket natürlich auch InDesign CS3, die nächste Version des Layoutprogramms von Adobe. Im Moment arbeite ich mit einer späten englischen Beta, die deutsche finale Version des Programms wird Mitte Mai verfügbar sein.
Serien-Import
Importieren Sie in InDesign CS3 Objekte über „Datei > Platzieren“, können Sie im Importdialog gleich einen ganzen Stapel von Dateien auswählen. Bilder, Grafiken und Texte, auch gemischt. Nach dem OK-Klick bekommen Sie einen geladenen Cursor, der die Anzahl zu plazierende Objekte in Klammer angibt. Ein Symbol zeigt die Vorschau des nächsten Objekts im Stapel. Weil, mit jedem Mausklick kommt ein nächstes Objekt ins Layout. Natürlich können Sie mit diesem Cursor Objekte auch in bereits vorhandene Platzhalterrahmen einfügen. Und wer alle geladenen Objekte zeitgleich importieren will, drückt Apfel-Shift (Windows Ctrl-Shift) zum Mausklick. Um Bilder aus dem Stapel der geladenen Dateien zu entfernen ohne sie im Layout zu positionieren, drücken Sie die Escape-Taste. Und mit den Pfeiltasten können Sie durch den Stapel blättern und so die Reihenfolge der zu importierenden Bilder ändern.

- Durch das Plazieren von InDesign-Dateien in InDesign-Layouts öffnen sich völlig
neue Möglichkeiten für den Workflow.
InDesign nach InDesign
Eine der besten Neuerungen, eigentlich längst überfällig: InDesign CS3 plaziert jetzt InDesign-Dateien. Von den Möglichkeiten her ähnlich wie ein PDF-Import, auch mit Zugriff auf Ebenen und Seiten. So banal diese Funktion tönt, so grundlegend wird sie viele Workflows ändern. Anzeigen zum Beispiel brauchen Sie nicht mehr als PDF oder gar EPS zu exportieren vor dem Plazieren in InDesign. Und jetzt wird es möglich, Elemente für Layouts zu erstellen. Einzelne InDesign-Schnipsel, die in einer weiteren InDesign-Datei zum Gesamtlayout zuammengestellt werden. Ändert sich in einem Element etwas, ändern sich automatisch alle Layouts, wo dieses Element vorkommt.
Tabellenstile
Zeichenformate, Absatzformate, Objektstile: nur Tabellen blieben bis jetzt aussen vor! Und dies war bei Tabellen, wo sich nur die Zahlen ändern, mühsam. Weil bei dem Aktualisieren bis anhin das Aussehen der Tabelle verloren ging. Mit InDesign CS3 sieht’s besser aus: Sie definieren Zeichenformate, die Sie in Absatzformaten hinterlegen. Dann hinterlegen Sie die Absatzformate den Zellstilen. Und schließlich nehmen Sie Zellstile in den Tabellenstil auf.
Texter und Layouter näher
Für Redaktoren gibt es von Adobe schon länger InCopy, eine auf die Bedürfnisse von Schreiberlingen abgestimmte Software. Mehrere InCopy-Redaktoren können ein InDesign-Layout zeitgleich abfüllen. Bis anhin war die Zusammenarbeit zwischen InCopy und InDesign ohne Dritthersteller-Software aufwändig. Mit CS3 nicht mehr. Weil, Adobe hat die Paket-Technologie gebracht. Layouter verpacken sämtliche für Redaktoren relevante Files automatisch in ein InCopy-Paket. Redaktoren öffnen das Paket und füllen den Text ein, um das Paket wieder zu retournieren. Der Layouter wiederum öffnet das zurück gekommene Paket mit einem Doppeklick, so dass der Text des Redaktors automatisch ins InDesign Layout einfließt. Genial für Übersetzer und gelegentliche Zusammenarbeit zwischen Layout und Redaktion. Aber klar kein Ersatz für ausgewachsene Dritthersteller-Redaktionssysteme auf InDesign- und InCopy-Basis.
XXL bei XML
Um ein gesamtes Layout für andere Medien zur Verfügung zu stellen, gibt’s jetzt einen direkten XHTML-Export. Dabei können Sie sogar die Formatierung übernehmen, weil Absatz- und Zeichenformate CSS (Cascading Style Sheets) zugewiesen werden können. Beim XML-Import und auch beim XML-Export ist es nun möglich, das XML durch XSL-Transformationen direkt an die Bedürfnisse für die weitere Verarbeitung anzupassen. Früher musste man für solche Operationen auf externe XSL-Prozessoren zurück greifen. Die größte Neuerung im XML-Bereich sind zweifellos die „XML Rule Sets“. Darin werden Konditionen und Aktionen definiert. Ein Beispiel: Ein Katalog besteht aus Datensätzen. Und jeder Datensatz soll in einem neuen Textrahmen beginnen. Als Kondition kann nun ein neuer Datensatz definiert sein und die Aktion – geschrieben als Script – dazu wäre das Aufziehen des neuen Textrahmens. Längere Dokumente mit Inhalt aus Datenbanken werden heute schon häufig über die XML-Schiene produziert. Mit den Erweiterungen von CS3 gewinnt dieser Workflow nochmals stark an Bedeutung. Aber eines ist klar, das Schreiben von XSL-Stylesheets (Vorgaben für XSL-Transformationen) und das Programmieren von XML Rule Sets ist nichts für Layouter. Da sind Coder gefragt. Das sieht auch Adobe so und spricht offiziell zwei „Gattungen“ von InDesign-Anwendern an!
Variablen, Listen und Grep
Für lange Dokumente und Automation ist noch mehr dazu gekommen. Da sind mal die Variablen. Mit ihnen können Sie zum Beispiel automatisch Seitentitel generieren auf Basis des Inhalts einer Seite. Oder Datum und Pfad zu Dokumenten dynamisch aktualisiert drucken lassen. Mit eigenen Variablen können Sie die Funktion noch erweitern. Schon lange warten wir auf echte nummerierte Listen. Jetzt sind sie da – und zwar in voller Größe! Sie können jetzt problemlos Titel- Absatz- oder Abbildungsnummerierungen definieren. Dies sogar über mehrere Dokumente hinweg! Auch das „Suchen/Ersetzen“ ging in die nächste Runde. Die meisten Anwender werden sich freuen, nach Objektattributen zu suchen und diese mit anderen zu ersetzen. Und für Techniker geht mit Grep eine neue Welt auf. Mit Grep ist Suchen/Ersetzen mit „Regulären Ausdrücken“ gemeint. Eine extrem leistungsfähige Suchsprache, vor allem bekannt aus der Unixwelt.A
